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Viroide und Prionen

Sunday, January 20th, 2008 |  Author: Luisa Federwisch

der Bakteriophage T4

Viroide? Prionen? Außerirdische?! Sind sie bereits unter uns?

Ja! Und das wohl schon seit Jahrtausenden oder gar Jahrmillionen? Wer weiß… Auch wenn die Namen sehr nach Science Fiction klingen, handelt es sich bei Viroiden und Prionen um etwas Natürliches: Es sind sehr kleine infektiöse Partikel, die noch einfacher gebaut sind als Viren. Doch was sind überhaupt Viren?
Jeder kennt sie und weiß, dass sie Krankheiten auslösen, so wie Grippeviren, Herpesviren oder HIV. Doch das ist längst nicht alles. Das Spektrum reicht von einfachen Erkältungen, über die bekannten Kinderkrankheiten wie Masern und Windpocken, bis zu verschiedenen Arten von Fieber und Hirnentzündungen, Hepatitis, Tollwut, AIDS und Ebola. Und sie können noch mehr! Nur ein kleiner Teil der Viren ist humanpathogen, es gibt daneben noch haufenweise Viren, die Tiere, Pflanzen oder Bakterien infizieren. Man könnte nun meinen, Viren müssten extrem komplex sein - weit gefehlt! Im Prinzip bestehen sie nur aus einer Nukleinsäure (DNA oder RNA) und einer Proteinhülle. Gut, sie können noch ein paar andere Strukturen (hauptsächlich aus Proteinen) haben, die z.B. der Anheftung an Wirtszellen und zur Infektion dienen. Aber das ist von Virus zu Virus unterschiedlich und auch nicht so wichtig. Viren sind praktisch nur Erbgut in einer Proteinhülle.

Das Erstaunlichste an ihnen, wenn man bedenkt, wozu sie in der Lage sind, ist, dass sie nicht leben. Viren sind keine Lebewesen, sondern nur infektiöse Partikel. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel, was ein Merkmal des Lebens ist, und sie können sich nur in lebenden Wirtszellen vermehren. Dazu nutzen sie den Syntheseapparat der Wirtszellen, den sie komplett auf ihre Vermehrung umstellen. Sie bauen ihr Erbgut in die DNA der Wirtszelle ein, lassen es vermehren und ihre Proteine synthetisieren, daraus werden dann neue Viruspartikel zusammengesetzt und diese verlassen die Zelle. Meist wird die Wirtszelle dabei zerstört. Manche Viren können auch eine Zeit lang als “Provirus” in die Wirts-DNA eingebaut bleiben, und vermehren sich erst auf einen bestimmten Reiz hin (z.B. UV-Strahlung). Während der Zeit als Provirus lebt die Wirtszelle normal weiter und kann sich teilen, wobei das Provirus auf beide Tochterzellen übergeht. Außerhalb von Zellen können Viren, da sie nicht leben, natürlich nichts tun als darauf zu warten, dass sie auf eine Zelle treffen, die sie infizieren können.

Noch krasser als Viren sind Viroide und Prionen. Viroide bestehen nur aus nackter DNA, sie besitzen nicht mal eine Proteinhülle. Und trotzdem können sie Krankheiten auslösen, zumindest bei Pflanzen (u.a. Kartoffeln und Tomaten). Bei Tieren wurden bisher noch keine Viroide entdeckt. Prionen sind infektiöse Proteinformen, die sich einfach durch Gestaltumwandlung aus normalen zellulären Proteinen bilden können. Diese falten sich spontan zu einer pathogenen Form um. Prionen können aber auch aufgenommen werden und vermehren sich dann, indem sie normale Proteine bei Kontakt umwandeln. Beispiele für Prionen-Erkrankungen sind die Scrapie-Krankheit bei Schafen, BSE und die Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim Menschen. In allen drei Fällen sind die krankmachenden Proteine im Gehirn zu finden. Die erste “Prionhypothese” wurde übrigens 1982 aufgestellt, daher ist auf diesem Gebiet vieles noch ungeklärt.

Was ich mich gerade frage: Wie sind Viren, Viroide und Prionen wohl zum ersten Mal entstanden? Wie konnte sich diese Vielfalt an Viren entwickeln? Und wie können sie so erfolgreich sein, dass der Mensch sie nicht unter Kontrolle bekommt (bestes Beispiel: HIV)?

Aber hey! Wir haben ja auch mehr Bakterien an uns als unser Körper Zellen hat. Auf ca. 1014 menschliche Zellen kommen etwa 1015 Bakterien allein im Darmtrakt. Das sind bis zu 1,5kg! Und alle jene, die sich auf unserer Haut und auf unseren Zähnen tummeln, sind da nicht mal dabei. ;)

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Category: mind funk

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