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Meditation: Einfach mal nicht denken

Sunday, December 16th, 2007 |  Author: Jan Lachnit

Fotographiert von Luisa

Heute möchte ich mal über ein etwas anderes Thema schreiben. Aber keine Angst, es geht nicht um Selbstfindung oder Erleuchtung. Unter diesen Begriffen versteht sowieso jeder etwas anderes. Wovon ich euch erzählen möchte ist die Kunst, den eigenen Verstand zum Schweigen zu bringen. Natürlich ohne die Verwendung von Drogen und ohne auch nur ein einziges mal “Ommm” zu summen, auch wenn das manchmal hilft. ;)

Von Reizüberflutung und Zwangsdenken
Die Wissenschaft kennt unzählige, gute Gründe zu meditieren, trotzdem ist Meditation für viele immer noch nur Esoterik. Dabei könnte die hochtechnisierte Informations- und Mediengesellschaft, in der wir heute leben, Meditation wirklich gut gebrauchen. Den ganzen Tag über werden wir von Sinnesreizen überschüttet, gleichzeitig ist die Arbeit, die wir heutzutage verrichten, selten nur rein körperlicher Natur. Wir arbeiten hauptsächlich mit unserem Verstand. Umso erstaunlicher, dass wir nach einem harten Arbeitstag noch den Fernseher anschalten, im Internet surfen oder gar ein Buch lesen. Nach einem Marathon hat man doch auch keine Lust mehr auf einen Spaziergang. Unser Verstand läuft praktisch die volle Wachzeit über (egal wie niveaulos die TV-Sendung auch sein mag).
“Warum auch nicht?”, könnte man sich jetzt fragen, “Der Verstand ist doch zum Denken da.” Ich fürchte, weil wir so die Kontrolle über unseren Verstand verlieren. Was ich meine wird einem bewusst, wenn man mal versucht eine Weile an nichts zu denken, bzw. nicht zu denken. Wirklich nichts denken schaffe ich nur ein paar Sekunden. Ein anderes Beispiel ist das Phänomen, wenn der Verstand auf ein “interessantes” Problem stößt, das ihn dann nicht mehr loslässt. Auch wenn das Problem vielleicht gerade nicht wichtig ist oder man jetzt erstmal etwas anderes tun möchte (z.B. schlafen), beschäftigt sich der Verstand weiterhin damit. Er verbeißt sich regelrecht in das Problem und lässt nicht locker bis er es geknackt hat oder das Interesse daran verliert. Wie ein Hund, dem man einen Knochen hinwirft. Unser Verstand scheint ein Eigenleben zu führen, ein äußerst geschwätziges.
Doch das muss nicht so sein.

Meditation: Bewusst nicht denken
Du bist nicht dein Verstand, er ist nur ein Teil von dir. So wie man den eigenen Verstand trainieren kann (und konditionieren) kann man auch lernen ihn zu kontrollieren. Ich schlage vor wir fangen mit dem an, was man auch einem echten Hund zuerst beibringen würde: “Platz” machen.
Meditation ist im Grunde nichts anderes als eine Konzentrationsübung, lässt man mal alle religiösen und esoterischen Ideen beiseite. Der Trick besteht darin, sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Auf was man sich konzentriert ist dabei eigentlich nebensächlich, nehmen wir an es ist ein Bild. :D
Beseitigt zuerst alle Quellen möglicher Ablenkung (Handy, ICQ, Musik,…) und setzt euch bequem, aber aufrecht vor euer Bild. Ich bevorzuge es, beim Meditieren im Seiza zu sitzen, aber eigentlich ist nur wichtig, dass euer Rücken gerade ist. Sitzt ihr bequem, richtet eure volle Konzentration auf euer Bild. Lasst die Augen unbewegt auf dem Bild ruhen, schaut nicht auf Details, sondern auf das Bild als Ganzes. Jetzt müsst ihr nur noch dafür sorgen, dass ihr eure Konzentration nicht verliert.
Ziemlich sicher werdet ihr immer wieder abschweifen und verschiedenste Gedanken werden euren Konzentration brechen. Ärgert euch nicht darüber und versucht sie auch nicht zu unterdrücken! Lasst sie einfach gewähren und beobachtet sie stumm, als wären es die Gedanken eines anderen. Wenn die Gedanken wieder verschwinden, richtet ihr eure Konzentration einfach wieder auf das Bild.
Versucht das ganze Spiel mal etwa zwanzig Minuten durchzuhalten (ohne zwischendrin auf die Uhr zu schauen). Anfangs ist es zwar schwer, konzentriert zu bleiben, aber es gibt euch ein Gefühl dafür, was in eurem Kopf so die ganze Zeit vorgeht. Auch wenn ihr es also nur ein einziges Mal versucht, kann es eine interessante Erfahrung sein. Übt ihr das Ganze regelmäßig, werdet ihr merken wie eure Konzentration besser und euer Verstand ruhiger wird.

Meditation im Alltag: Leben im Jetzt
Meditation hat viele Gesichter und weil es eben nur eine Konzentrationsübung ist, kann man es mit vielem Alltäglichen verbinden. Der Abwasch kann auch Meditation sein. Es gibt keinen Grund, dabei zu denken. Wir verpassen etwas, wenn wir ständig über die Vergangenheit und die Zukunft nachdenken: Die Gegenwart.
Man kann nicht wirklich an das denken, was jetzt ist. Sobald man daran denkt, ist es bereits vorbei.

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Meister.
“Herr”, fragten sie “was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du.”
Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: “Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.”
Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: “Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?”
Es kam die gleiche Antwort: “Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.” Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: “Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”
- Quelle

Auch das sind schöne Übungen, die man einfach im Alltag unterbringen kann. Essen und nichts anderes machen als zu essen, das ist nicht leicht. Doch es soll einfacher werden mit der Zeit, habe ich gehört. Leider vergisst man seine guten Vorsätze immer so schnell. Vielleicht liegt es an der schnelllebigen Zeit, vielleicht lasse ich mich aber auch einfach zu schnell ablenken. Schließlich gibt es auch so viele, schöne Dinge über die man nachdenken kann. Der Verstand ist ein wunderbares Spielzeug. Trotzdem möchte ich lernen ihn auch abschalten zu können, wenn ich es will.

Weiterführende Informationen
Im Internet findet man sehr viel über Meditation. Viel Mist, viel Schwachsinn, aber auch einige wirklich gute Texte und Videos. Zum Schluss also hier mal was ich so angesammelt habe:

Videos:
The Zen Mind - An Introduction
Habits of Happiness

Texte:
Meditation for Beginners
Wikipedia.de über Zen
Zen Koans (Fällt ein Baum im Wald…)
Meditation: Gehirn-Wellen und Hemi-Sync
Zenguide.com
Zenarchy

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Category: mind funk

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2 Responses

  1. Ein wirklich schöner Betrag zum Thema Meditation, ich hab’ es wirklich sehr genossen ihn zu lesen!
    Vielleicht hast du ja recht und wir müllen unseren Verstand mit dem Alltag zu - oder er uns. Wenn du mich fragst ist das die große Krankheit, Pest unserer Zeit, diese Entfernung vom eigenen Bewusstsein, nie die Vollendung im Augenblick zu finden, sondern stets in Gedanken beim nächsten Schritt zu sein.
    Dabei hat sicherlich jeder Mensch schon einmal die Erfahrung des vollkommenen Glückes gemacht - nur diesen Moment zu erhalten … das ist eine ganz andere Geschichte.

    Ich hoffe es folgen irgendwann mal noch mehr Beiträge zu dem Thema :)
    Gruß,
    Paule

  2. :D Naja von Pest würde ich jetzt nicht grad sprechen… Es ist ja nicht wirklich eine Krankheit, es ist leider Normalität. Für die Meisten heißt das, dass es keinen Grund gibt, daran was ändern zu wollen.
    Hrmm… ich sollte besser aufpassen, sonst werde ich hier noch als Esoteriker abgestempelt. Ich war gestern wieder in einem Büchergeschäft beim Esoterik-Regal. Was es da für Unsinn gibt?! Bücher von Autoren, die ernsthaft, um ihre Kompetenz zu unterstreichen, zusätzlich betonen, dass sie die Wiedergeburten von Was-weiß-ich-wem sind.
    Klar, dass man da als halbwegs intelligenter Mensch schnell alle Esoteriker zu leichtgläubigen Drogenopfern erklärt.
    Es tut mir nur Leid für die Leute, die wirklich was Interessantes zu sagen hatten, aber von kleingeistigen Angestellten in die Esoterik-Abteilung gestellt wurden.

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