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Staudämme gegen das Volk

Sunday, March 16th, 2008 |  Author: Luisa Federwisch

Indian farmer losing her house to the Omkareshwar Reservoir

(Quelle)

In Indien leben ca. 1,1 Milliarden Menschen. 40 Millionen davon sind Staudammflüchtlinge (seit der Unabhängigkeit 1947). Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands. Und die Vertreibung dieser Menschen wird u.a. durch deutsche Steuergelder finanziert.

Hauptverantwortlich dafür ist die National Hydroelectric Power Corporation (NHPC), die größte Staudammgesellschaft Indiens. Staudämme sollen die Wasserversorgung sicher stellen, da Wasserknappheit eines der größten Umweltprobleme in Indien ist. Und als Energiekonzern möchte die NHPC natürlich vom Bau neuer Wasserkraftwerke profitieren, die zur Lösung des Energie-Problems in Indien beitragen sollen. So weit, so gut. Doch um ihre Pläne durchzusetzen, ist der NHPC scheinbar jedes Mittel recht.

Ein Beispiel: Für den Bau des Omkareshwar-Staudamms am Fluss Narmada wurden 50.000 Menschen vertrieben. Im August 2003 kamen Vertreter der NHPC mit Polizei und Bulldozern in das kleine Dorf Panthiaji am Ufer der Narmada. Sie teilten den Bewohnern mit, dass sie 12 Stunden Zeit hätten, ihre Häuser zu verlassen. Sie stellten ihnen dafür eine gewisse Entschädigung in Aussicht, unter der Bedingung, dass sie ihre Häuser selbst bis zum nächsten Tag abreißen. Die Menschen weigerten sich anfangs, doch man drohte ihnen, all ihr Hab und Gut zu zerstören, wenn sie nicht “freiwillig” gingen.
Beim Indira-Sagar-Staudamm war es noch schlimmer. Insgesamt 200.000 Menschen sind davon betroffen. 15.000 von ihnen wurden einfach vergessen, als das Staudammbecken geflutet wurde. Sie waren nicht informiert worden, das Wasser kam ohne Vorwarnung und ihre Dörfer versanken in den Fluten.

Die Flutung noch bewohnter Dörfer, Einschüchterung und gewaltsame Vertreibung, die Zerstörung geschützter Naturgebiete - das gehört zur Praxis der NHPC. Der Konzern ignoriert die Vorgaben der indischen Umweltgesetzgebung und schreckt auch vor Menschenrechtsverletzungen nicht zurück. Er kooperiert sogar mit der Militärjunta in Burma, um auch dort Staudammprojekte mit Gewalt gegen die lokale Bevölkerung durchzusetzen.
Die NHPC plant 100 weitere Großstaudämme. Deren Bau soll mit internationalem Kapital ermöglicht werden. Ein wichtiger Partner ist dabei die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), zu deren Geldgebern wiederum die deutsche Bundesregierung - durch direkte Zahlungen und Finanzgarantien - gehört.

Was kann man dagegen tun? Es gibt eine Menge Organisationen und Gruppierungen, sowohl in Indien als auch international, die sich gegen diese Staudammprojekte und gegen die Menschenrechtsverletzungen einsetzen. Eine deutsche Organisation, die auch in dieser Sache aktiv ist, ist Urgewald. Informationen, die ich von Urgewald erhalten habe, dienten mir als Grundlage für diesen Text. Weitere Infos gibt es z.B. hier und da.
Für alle, die an den Erfolgen solcher Organisationen und ihrer Proteste zweifeln: Urgewald hat erreicht, dass die Deutsche Bank, Barclays (London) und die Weltbank aus der Finanzierung des Omkareshwar-Staudamms ausstiegen. Dennoch wurde er gebaut, finanziert durch 11 indische Banken. Aber Urgewald setzt sich weiter gegen die Vertreibung der Menschen ein. Und je stärker die Unterstützung solcher Proteste ist, umso größer sind die Chancen auf Erfolg. :D

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Category: environmental blues

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One Response

  1. 1
    Luisa Federwisch 
    Tuesday, 29. April 2008

    Ein weiterer Erfolg von urgewald:
    Die ADB (Asiatische Entwicklungsbank) wollte einen neuen von der NHPC geplanten Großstaudamm in Nordindien finanzieren. Urgewald sammelte seit Dezember 2007 etwa 1000 Protestpostkarten gegen dieses Projekt, die an die ADB gerichtet waren. Und nun ist die ADB aus dem Projekt ausgestiegen!
    Es ist “nur” ein Etappensieg, denn die NHPC sucht neue Geldgeber. Aber urgewald gibt nicht auf! :D

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