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Save humanity!

Saturday, February 27th, 2010 |  Author: Luisa Federwisch

January 2010 Global mean temperature anomaly (NASA)

Endlich mal wieder ein richtiger Winter! Mit Schnee und Eis und Kälte. Und das schon seit Wochen! Wer hätte gedacht, dass es sowas nochmal gibt, wo sich doch die Erde so schnell erwärmt. Vom Klimawandel redet irgendwie zur Zeit kaum noch jemand, nur von Schneemassen und Winterchaos. Ist es schon so weit gekommen, dass wir nicht mehr wissen, wie ein vernünftiger Winter aussieht? Nach den warmen Wintern der letzten Jahren ist das jetzt endlich mal wieder … einer der global wärmsten Winter?! Stefan Rahmstorf, Ozeanograph und Klimaforscher am PIK, schreibt in seinem (sehr empfehlenswerten) Blog: “[...] global war es der viertwärmste Dezember. Der November 2009 war übrigens global der wärmste November seit Beginn der Aufzeichnungen.” Und 2009 insgesamt? “Global war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren [...]” Die Grafik oben (Quelle: NASA) zeigt übrigens die Temperaturunterschiede des Januars 2010 zum langjährigen Mittelwert (1951-1980).

“…Thus human beings are now carrying out a large scale geophysical experiment of a kind that could not have happened in the past nor be reproduced in the future. Within a few centuries we are returning to the atmosphere and oceans the concentrated organic carbon stored in sedimentary rocks over hundreds of millions of years.”
(Roger Revelle & Hans E. Suess, 1957)

Also nix mit globaler Abkühlung. Und nun? Nach der enttäuschenden UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen, ist ja irgendwie die Luft raus. Beschlossen wurde nichts und geändert hat sich nichts. Wir sehen einfach erstmal weiter zu, wie die globale Temperatur steigt, Extremwetterereignisse zunehmen, der Ozean versauert, der Meeresspiegel ansteigt und Menschen zu Klimaflüchtlingen werden. Die Politik greift nicht ein. Und das obwohl eine riesige Bürgerbewegung mobilisiert wurde: In Kopenhagen demonstrierten an die 100.000 Menschen für ein ehrgeiziges und faires Klimaschutzabkommen. Am gleichen Tag gab es weltweit Aktionen für den Klimaschutz in über 3.000 Städten. Eine Klima-Petition von AVAAZ, die Staats- und Regierungschefs auch nach Kopenhagen daran erinnert, dass sie noch eine Aufgabe zu erledigen haben, hat fast 15 Millionen Unterzeichner.

“As discussed in the TAR [Third Assessment Report], most models also indicate that known technological options could achieve a broad range of atmospheric stabilization levels but that implementation would require socio-economic and institutional changes.”
(IPCC Special Report on Carbon Dioxide Capture and Storage, 2005)

Obwohl die COP15 Konferenz in Kopenhagen ohne konkrete Ergebnisse blieb, scheint sich langsam etwas zu verändern. Die Klimawandelproblematik hat in dieser Konferenz zum ersten Mal die höchste politische Ebene erreicht, da die Verhandlungsführenden der über 100 teilnehmenden Länder nicht in der Lage waren eine Einigung zu finden, sodass die Regierungschefs selbst am letzten Tag den Copenhagen Accord entwerfen und verhandeln mussten. Doch die Politik bewegt sich langsam (für meinen Geschmack zu langsam), sodass ein internationales Abkommen als treibende Kraft fehlt. Dabei gibt es ein schönes Beispiel dafür, dass sich gemeinsames Handeln zur Lösung eines globalen Problems lohnt. Nach ersten Beobachtungen in den 70er Jahren, wurde 1985 das Ozonloch über der Antarktis bestätigt. 1987 wurden im Montreal-Protokoll Maßnahmen beschlossen, um dem Ozonloch entgegenzuwirken, wie zum Beispiel das FCKW-Verbot. Es trat 1989 in Kraft. Und jetzt berechneten aktuelle Computermodelle, dass sich die Ozonschicht bis 2060 oder 2070 wieder erholt haben könnte.

Der Antrieb zur Rettung des Klimas kommt jedoch von unten: von den Menschen, einzelnen Firmen, Städten und Staaten. Während die Politik sich nicht einigen kann, realisieren immer mehr Menschen die Dringlichkeit des Problems und handeln einfach selbst. Firmen und Institutionen erarbeiten Pläne, um weniger CO2 zu produzieren. Und einige Staaten setzen sich eigenständig Emissionsreduktionsziele, die sie bis zu einem bestimmten Jahr erreichen wollen. Während z.B. die EU sich nur auf eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 20% bis 2020 festlegen wollte, hat Deutschland sich 40% bis 2020 zum Ziel gesetzt.

Prof. Mojib Latif brachte neulich in einem Vortrag einen schönen Vergleich: Wenn man uns sagen würde, dass ein Flugzeug mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 % abstürzen könnte, dann würde keiner damit fliegen. Aber wenn man uns sagt, dass die schlechtesten Szenarios für den zukünftigen Klimawandel mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 % eintreffen, dann finden wir das nicht überzeugend. Bevor im großen Stil etwas gegen den Klimawandel unternommen wird, wollen wir erst sicher sein, dass er auch wirklich so eintritt wie vorhergesagt. Bei einem Flugzeugabsturz aber sind 10 % Wahrscheinlichkeit schon zu viel…

Letztendlich bleibt nur zu sagen:
Save humanity! (the planet will recover…)

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Category: environmental blues

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4 Responses

  1. Hallo,
    was sind denn die schlechtesten Szenarien der Klimaerwärmung?
    Ich habe nämlich nicht so viel Angst vor der Zukunft der Menschheit and noch weniger um die Erde.
    Ich meine auch wenn die Konsequenzen bedeuten, dass nur noch 10% der Erdbevölkerung überleben kann finde ich das nicht schlimm.
    Und wenn die Konsequenzen bedeuten, dass die Temperatur um 20 °C ansteigt und die Hälfte der Arten aussterben, stört mich das nicht. Ist schon blöd, dass das dann an der Menschheit liegt, es ist dann aber halt wie es ist.
    Denn meiner Meinung nach wird sich so ein riesiges Ungleichgewicht von selbst wieder ins Gleichgewicht bringen. Ich meine wenn der CO2 Gehalt der Luft steigt, hat das meines Wissens keinen negativen Einfluss auf das Pflanzenwachstum, deshalb wird wenn wir zugrundegehen, die Flora das wieder in Ordnung bringen können.
    Boa ich könnte noch viel mehr schreiben bin jetzt aber zu faul.
    Noch eine Sache um mir ein bisschen zu wiedersprechen. Es ist natürlich kacke für die kommenden Generationen in einem Zustand des Ungleichgewichts zu leben weils vielleicht ein bisschen ungemütlicher ist. Aber es sind eben nur ein paar kommende Generationen und es wird auf keinen Fall für immer ein Ungleichgewicht herrschen. Besser wäre es natürlich und Das kann ich auch als einziges gutes Ziel für die Menschheit formulieren (da Technologischer Fortschritt und ähnliche Ziele meiner Meinung nach nicht als Gut oder Schlecht definiert werden können), dass die Menschheit in ihren unterschiedlichen Gesellschaften einen Gleichgewichtszustand ansteben sollten, in dem die Menschheit für immer weiterexistieren könnten und kein extremes Ungleichgewicht entsteht wie wir ihn zur Zeit beobachten können (Nomadenvölker als Beispiel, wobei ich glaube, dass auch Gesellschaften mit hoher Bevölkerungsdichte durch Technologie diesen Gleichgewichtszustand erreichen können).

  2. Ah und ich glaube nicht, dass sich die Menschheit selbst auslöschen kann.
    Und ich bin viel zu faul anstrengende Sachen zu machen und den Spass in meinem Leben zu mindern um auf die Umwelt zu achten.
    Obwohl es oft mehr Spass macht umweltbewusst zu leben als nicht :) (zB Fahrradurlaub geiler als Flugzeugurlaub)

  3. Ich versuche mal auf deinen Kommentar einzugehen, ohne dabei einen Roman zu schreiben… ;)

    Du hast nach den “schlechtesten Szenarien” der Klimaerwärmung gefragt. Die Szenarien für die globale atmosphärische Erwärmung aus dem letzten IPCC-Bericht (2007) findest du hier. Die Szenarien machen verschiedene Annahmen über die Entwicklung der Weltbevölkerung, Entwicklung der zukünftigen CO2-Emissionen, technologischen Fortschritt, Maßnahmen gegen den Klimawandel etc. Das schlechteste Szenario kommt dabei zu einer Erwärmung um knapp 4°C bis 2100. Allerdings liegen die derzeitigen CO2-Emissionen deutlich über denen, die für das schlechteste Szenario angenommen wurden. Heißt: wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden, könnte es auch noch wärmer werden.

    Natürlich beziehen sich diese Temperaturangaben auf den globalen Mittelwert. Lokal wird die Erwärmung schwächer oder stärker ausfallen, das hängt von vielen lokalen Faktoren ab, die das Klima im Kleinen eben so beeinflussen. Zum Beispiel wurde bereits festgestellt, dass die Erwärmung am stärksten in den Polargebieten ist und dort außerdem schneller voranschreitet, als in den Modellen berechnet.

    Was eine bestimmte Erwärmung für Konsequenzen hat, zeigt diese Grafik sehr schön (auch aus dem IPCC-Bericht von 2007). Es ist nicht so, dass über einer bestimmten Temperatur wie z.B. 2°C “alles furchtbar” ist. Es gibt schon jetzt Konsequenzen, die wir beobachten können. Das Ganze ist ein kontinuierlicher Prozess: je mehr Erwärmung, umso größer die Folgen, und umso schwerer wird es für uns, damit zu leben. Daher das 2°C-Ziel, damit die Folgen sich möglichst in einem gewissen Rahmen halten, und wir uns daran (leichter) anpassen können.

    Ich versuche mal, ein “Worst-Case”-Szenario in Beispielen zu beschreiben, basierend auf allem, was ich bisher über den globalen Wandel gelernt habe.

    Wie ich schon angedeutet habe, wird es nicht einfach nur wärmer. Es werden vor allem die Extremwetterlagen zunehmen, d.h. langanhaltende Hitze und Dürren, Starkregen und damit Überschwemmungen, Stürme usw. Die Zunahme können wir schon jetzt beobachten, das merken vor allem die Versicherungen. Seit 1980 hat sich die Häufigkeit verheerender Naturkatastrophen weltweit etwa verdoppelt, in Deutschland sogar verdreifacht. Der letzte IPCC-Bericht beurteilte die Zunahme von Hitzewellen und Extremniederschlägen durch den Klimawandel als sehr wahrscheinlich (>90%). Im Oktober 2005 und 2009 wurden erstmals Tropenstürme über dem Nordost-Atlantik beobachtet, teilweise mit Hurrican-Stärke.

    Bereits heute gibt es aufgrund der längeren Trockenperioden im Frühjahr erhöhte Waldbrandgefahr um Berlin. Städte in Südeuropa haben im Sommer immer mehr mit Wassermangel zu kämpfen, z.B. Barcelona. Das führt zu Kriegen um Wasser, heute in Afrika, aber morgen vielleicht auch in anderen Teilen der Welt.
    Der größte Teil der weltweiten Gletscher geht zurück, vom Meereis ganz zu schweigen. Der Gletscherrückgang wird zu einem massiven Problem in Asien werden, da Millionen von Menschen auf Trinkwasser aus den Flüssen angewiesen sind, die vom Himalaya herunterkommen. Aber auch in Deutschland versorgen Flüsse aus den Alpen viele Menschen mit Trinkwasser.

    Durch zunehmendes Extremwetter wird es in vielen Regionen der Erde ungemütlich werden, und die Menschen wollen natürlich dort weg. Die “Klimaflüchtlinge” habe ich ja im Haupttext schon erwähnt. Irgendwo müssen die ja hin. Auch die Bewohner der flachen Südseeinseln, deren Land innerhalb von wenigen Jahrzehnten vom Meer verschluckt werden wird, müssen umgesiedelt werden. Wir haben dann nicht nur weniger Lebensraum für mehr Menschen, sondern auch die Versorgung wird ein noch größeres Problem werden. Mehr Dürren und Stürme führen zu mehr Ernteausfällen, auch in Europa.

    Die ganzen Wirkungen auf die Natur sollten auch nicht unterschätzt werden. Die normalen Zyklen verschiedener Lebewesen werden sich sehr wahrscheinlich verschieben. Insekten wachen zu früh aus der Winterstarre auf, finden dann aber noch nicht genügend Blüten und sterben. Das pflanzliche Plankton in Seen und im Ozean, auf dem alle Nahrungsketten basieren, entwickelt sich durch die Erwärmung früher zu großen Massen, während das tierische Plankton nicht so schnell reagiert, und dann später nicht genügend Nahrung findet. Das setzt sich fort auf die höheren Ebenen wie Fische, und dann Vögel und Säuger. Unsere Fischbestände sind ja sowieso schon am Ende…

    Und dann haben wir ja nicht nur die Effekte der Erwärmung. Das CO2 an sich hat auch massive Auswirkungen auf die Natur. Wie du schon festgestellt hast, wird es wohl das Wachstum der Landpflanzen anregen, da wirkt es wie eine Art Düngung. Allerdings schließen die meisten Pflanzen bei erhöhten Temperaturen ihre Spaltöffnungen (die dem Gasaustausch dienen), wodurch sie natürlich weniger CO2 aufnehmen können. Dieser Effekt könnte dem positiven Effekt der CO2-Düngung also entgegenwirken.

    Und im Ozean hat die Zunahme an CO2 noch mehr negative Auswirkungen: da führt es zur Ozeanversauerung (über die ich noch einen eigenen Post schreiben will). Der pH-Wert im Ozean wird saurer, dadurch verschieben sich Gleichgewichte zwischen anderen gelösten Formen des Kohlenstoff, was überwiegend negative Auswirkungen auf alle möglichen Organismen hat, die irgendwo Kalk bilden. Das betrifft einige Arten von pflanzlichem und tierischem Plankton, Korallen, Seesterne, Seeigel, Muscheln, Krebse, und sogar Fische und Tintenfische. Die Auswirkungen der Ozeanversauerung werden gerade ganz stark erforscht, das Problem ist aber bisher noch viel zu wenig bekannt. Erwärmung und Ozeanversauerung könnten das Ökosystem Ozean massiv durcheinander bringen…

    Zum Abschluss möchte ich noch sagen: die Zukunft der Menschheit ist mir ziemlich egal. Wir richten unseren Planeten zugrunde, da ist es nur gut, wenn wir selbst irgendwann von der Erde verschwunden sind. Aber es stört mich sehr, dass wir uns einbilden, wir wären in irgendeiner Weise “etwas besseres” als alle anderen Lebensformen, und könnten daher mit dem Planeten und der Natur machen, was wir wollen. Natürlich kann man das als “Evolution” betrachten, aber all die anderen Lebensformen sind mir viel zu kostbar, um tatenlos zuzusehen, wie die Menschheit sie nach und nach direkt oder indirekt auslöscht.

    Ich hoffe, ich konnte halbwegs deutlich machen, warum es irgendwann nicht mehr spaßig ist, wenn wir nicht mehr auf unsere Umwelt achten.

  4. Und ja, natürlich wird irgendwann alles wieder ins Gleichgewicht kommen. Die Erde hat schon schlimmere Dinge überstanden als den Menschen. Aber warum bei vollem Bewusstsein die Natur zugrunde richten? Davon hat doch niemand was… am allerwenigsten die Menschheit selbst. Den eigenen Lebensraum zerstören, alles ausbeuten was da auszubeuten ist, und die Bedingungen zum Leben verschlechtern… das erscheint mir absolut unlogisch und dumm. Da mach ich nicht mit! :P

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