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Remember Tschernobyl

Saturday, April 25th, 2009 |  Author: Luisa Federwisch

Die Gegend um Tschernobyl - fotografiert von Elena Filatova

Heute waren Jan und ich auf unserem ersten Smart Mob (eine Art Flash Mob). Ungefähr 20-25 junge Menschen fanden sich um 11 Uhr an einem Platz in einer Kieler Einkaufstraße ein, als eine Sirene ertönte und alle (inklusive Jan und mir) umfielen. Einige andere Personen in weißen Schutzanzügen kamen, um die Umrisse unserer Körper mit Kreide auf’s Pflaster zu zeichnen. Jemand teilte den umstehenden Passanten über ein Megaphon mit, was vorgefallen war.

Der 26.04.1986 war der Tag des GAUs im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine. 23 Jahre danach hat sich am explodierten Reaktorblock 4 nicht viel geändert. Im Inneren des Blocks ist die Situation noch weitgehend so wie zum Zeitpunkt der Katastrophe. Er ist nur mit einem provisorischen, durchlässigen Sarkophag “geschützt”. Erst 2007 wurde der Bau eines neuen Sarkophags in Auftrag gegeben. Es gibt auch keinen Grund zur Eile. Viele Menschen aus den verstrahlten Gebieten sind schließlich schon gestorben oder aus ihrer Heimat vertrieben worden.

Die Erinnerung an den Unfall verblasst langsam, doch immer mehr Atomkraftgegner kommen zusammen, um das nicht zuzulassen. An diesem Wochenende gab und gibt es Aktionen, Demos und Kundgebungen in ganz Deutschland. Wer dabei (noch) nicht selbst aktiv werden will, kann sich bis zur Bundestagswahl am 27.09.2009 eine Meinung zur Atomkraft bilden, denn die Wahl entscheidet auch über die Zukunft der deutschen Atomkraftwerke.

Es gibt sehr sehenswerte Bilder aus der Gegend um Tschernobyl, u.a. hier. Auch interessant sind die ersten Tagesschau-Berichte über den Unfall: “Ist eine Gefährdung der Bevölkerung der Bundesrepublik auszuschließen?” - “Ja. Absolut auszuschließen.”, sagt Innenminister Zimmermann.

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Category: environmental blues

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10 Responses

  1. Auch interessant ist die Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen auf Wikipedia. Schon allein die Masse ist erschreckend genug. Die Gefahren von Atomkraftwerken werden doch zu gerne unterschätzt.

  2. “Wer dabei (noch) nicht selbst aktiv werden will, kann sich bis zur Bundestagswahl am 27.09.2009 eine Meinung zur Atomkraft bilden, denn die Wahl entscheidet auch über die Zukunft der deutschen Atomkraftwerke.”

    Was bedeutet denn das? Wer will denn die Atomkraftwerke erhalten und wer nicht?

  3. Von der Rot-Grünen Regierung wurde im Jahr 2000 der “Atomausstieg” beschlossen, d.h. es werden keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut und die alten werden nach und nach abgeschaltet und zwar vor dem technisch bedingten Abschalt-Zeitpunkt.

    Einige Parteien (und die großen deutschen Stromkonzerne, denen die Kraftwerke gehören) wollen nun aber den “Ausstieg aus dem Ausstieg”, sprich sie wollen die Atomkraftwerke so lange wie möglich weiterlaufen lassen. Die Pro-Atom-Parteien sind CDU und FDP.
    Die Grünen und Die Linke halten am Atomausstieg fest, und die SPD auch (über deren genauen Standpunkt bin ich allerdings nicht informiert).

    Das heißt: wer CDU und FDP wählt, wählt Atomkraft.
    Also geht bitte nicht uninformiert zur Wahl. ;)

  4. Im neuen Wahl- (und Parteiprogramm)der SPD ist der Atomausstieg bis 2020 festgeschrieben.

  5. Ich korrigiere mich: 2021 ;)

    Aber was ich eigentlich sagen wollte: Wieso nur auf die BT Wahlen im September beziehen? Am 7. Juni wird das EU- Parlament gewählt.
    Wie stehen die Parteien auf EU-Ebene dazu? Die Atomausstiegsländer sind ja in der Minderheit, es wollen eher viele Länder in die Atomenergie einsteigen und nicht aussteigen. (Z.B. Italien)
    Die EU (repräsentativ die Kommission) ist Pro-Atomernegie (Zu sehen an den hohen Förder/Forschungsgelder in die Euraton)
    Es wäre daher mal interessant zu Wissen, wie das EU- Parlament mit dem Thema Atomenergie umgeht.

  6. Wann die Wahl des EU-Parlaments ist, wusste ich bisher nicht. Aber du hast recht, auch auf EU-Ebene ist das Thema Atomenergie natürlich sehr brisant. Darüber weiß ich aber leider gar nichts. Wenn ich demnächst Zeit finde, werde ich mich mal informieren - und dann natürlich auch euch.

    Die Vertreter des EU-Umweltausschusses (und deren Kontaktdaten) findet man schonmal hier. Ich weiß zwar nicht, ob die für oder gegen Atomkraft sind, aber die meisten von denen sind in der CDU…

  7. Ich hab leider grad nicht viel Zeit und daher nur mal kurz ein paar Links zusammengetragen.

    EU-Kommission pro Atomenergie (Ende 2007)

    EU-Umweltministertreffen Mitte 2008:
    “Zustimmung zur Atomkraft steigt europaweit”, berichtet tagesschau.de. Frankreich ist demnach absolut für Atomenergie und auch Italien will aus seinem Atomausstieg wieder raus. Sigmar Gabriel sagt dagegen: “Das ist eine Energieform, als wenn Sie in ein Flugzeug steigen und nicht wissen, wo die Landebahn ist.” Die EU ist sich also auch bei diesem Thema überhaupt nicht einig.

    Atomenergie erlebt in Europa Renaissance (2009)

    Nunja. Nach meiner kurzen Suche habe ich vor allem eins eindeutig herausgefunden: In der EU ist ein größerer Teil für Atomenergie als dagegen. Und dabei wird oft auch der Klimawandel als Begründung für eine Förderung der Atomkraft angegeben.

    Warum Atomkraft aber kein vernünftiges Mittel zum Eindämmen des Klimawandels ist und weitere Argumente dagegen, erklärt z.B. campact.

  8. Wer schon jetzt ein bisschen abstimmen will, kann das bei zwei Online-Umfragen zu Atomkraft/Atomausstieg tun.

    Umfrage auf welt online
    Umfrage auf kernenergie.de

    Die Ergebnisse sind auch interessant. Aber ich frage mich: wo führt das wohl hin…?

    “Viele Länder in Europa setzen auf Kernenergie. England, Frankreich, Italien und Polen planen den Bau neuer Kernkraftwerke, Schweden hat sich kürzlich vom einst beschlossenen Atomausstieg verabschiedet.”

  9. Wo führt was hin?
    Die beiden Umfragen deuten ein klares “Ja zum Ausstieg” an. Ist doch ne super Sache.
    Man muss die Sache auch mal so sehen:
    Deutschland hockt auf nem riesen Berg von Braun/Steinkohle, wir können den Übergang mehr oder minder locker managen. Andere Länder haben diese Möglichkeiten nicht, der Energiebedarf steigt aber stetig. Dazu kommt noch, dass Väterlein Russland mal ganz gerne zeigt was für tolle Muskeln er doch hat und das es Kalt wird wenn er grad schlecht geschlafen hat.

  10. Ich meinte die Pläne vieler Länder, jetzt doch wieder in Atomkraft zu investieren. Und als ich an den Umfragen teilgenommen hab, waren da noch mehr Menschen gegen den Ausstieg.
    Bei der welt online Umfrage gibt es im Moment auch zwei total gegensätzliche Hauptlager (49% total pro Ausstieg, 35% für den Neubau von AKWs). Da wird es schwer (bis unmöglich) einen Konsens zu finden…

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