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How a Movement gains Momentum

Tuesday, March 15th, 2011 |  Author: Luisa Federwisch

(Bild folgt… hoffentlich)

Aufgrund der katastrophalen Ereignisse in Japan hat .ausgestrahlt am Samstag, dem 12. März 2011, nach der lange geplanten Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart mit 60.000 Menschen auf 45 km kurzfristig zu Mahnwachen für Montag, den 14. März 2011 aufgerufen. Eine davon war in Kiel, ich war dabei und ich möchte deren Entwicklung hier noch einmal Revue passieren lassen.

17:45 Uhr
Ich komme auf dem Kieler Rathausplatz an. Vor dem Rathaus hat sich schon eine ganz nette Menschenmenge angesammelt, mehr als ich bei einer Mahnwache in Kiel (bei schlechtem Wetter) erwartet hätte. Während ich etwas abseits auf eine Freundin warte, strömen von allen Seiten weitere Menschen in Richtung Rathaus. Von Schülern, über Studenten und junge Familien bis hin zu Rentnern sind alle Altersklassen vertreten. Viele haben “Atomkraft - Nein Danke”- Fahnen oder Banner dabei.

17:55 Uhr
Die Menge hat sich bereits mehr als verdoppelt und ständig kommen weitere Menschen dazu. Meine Freundin kommt an und wir stellen uns zu der nun schon sehr großen Gruppe.

18:10 Uhr
Die Menschenmenge vor dem Rathaus wächst immer noch an, so dass wir nun nicht mehr am Rand der Gruppe stehen. Zwei weitere Freundinnen haben es auch spontan geschafft zu kommen. Vorne fängt jemand an zu reden, aber wir verstehen kaum etwas, da keine Lautsprecher vorhanden sind. Es heißt, am Bahnhof habe sich noch eine weitere Gruppe versammelt, die nun auf dem Weg zu uns sei. Die Person vorne spricht von “Abschalten”, es gibt Applaus, Jubel und Sprechchöre. Weitere Personen übernehmen das Wort. Es heißt, wir könnten hier bis 19:30 Uhr bleiben, dann müssten wir die Versammlung auflösen. Wir sind an die 1.000 Menschen hier.

18:40 Uhr
Plötzlich ruft jemand: “Spontane Demo zum Bahnhof!” Der Aufruf läuft durch die Menge und an einer Seite setzen sich die Menschen in Bewegung. “Gehen wir mit?” - “Klar!” Und plötzlich ist aus der Mahnwache eine Demo geworden. Wir laufen durch die Kieler Innenstadt, fast permanent gibt es “Abschalten!”- und “Atomkraft - Nein Danke!”-Rufe. Wir nehmen fast die ganze Breite der Fußgängerzone ein. Am Rand bleiben Passanten stehen und schauen verwundert zu.

Da vorne ist die erste Ampel. Natürlich hält das niemanden auf, wir sind ja jetzt eine Demo. Den mehreren hundert Menschen vor uns folgend überqueren wir die Straße, bei Rot. Die Autos und Busse müssen halt warten. Nach uns kommen noch viele mehr. Hey, sogar eine Polizistin ist da um die Autos an der Ampel anzuhalten, die wir gerade “überrannt” haben. An der nächsten Kreuzung steht ebenfalls ein Streifenwagen und Polizisten haben den Verkehr angehalten. Sie lassen uns einfach laufen.

Wir biegen ab. Beim Zurückschauen sehe ich, dass der Demozug noch immer  an der Ampel die Straße überquert. Die Hauptstraße zum Bahnhof, auf der wir nun laufen, ist ebenfalls lahmgelegt. Die an den Bushaltestellen wartenden Menschen schauen uns fragend an. Sie werden wohl erkennen, worum es geht, denn die Busse können gerade eh nicht fahren.

Wir kommen auf dem Bahnhofsvorplatz an. Dieser ist schon fast voll und wir müssen etwas um die Menge herumgehen um einen guten Platz zu finden. Da stehen wir nun also und fragen uns, was wohl weiter geschehen wird. Schließlich hat das hier niemand organisiert, es gibt keinen Verantwortlichen. Der Verkehr auf den Straßen neben uns rollt langsam wieder an. Weiterhin werden Sprüche skandiert, Fahnen geschwungen und sogar einige Flyer verteilt. Für “Atomausstieg selber machen“, “Kiel im Wandel” und die regulären Montags-Demos, die es hier seit einer Weile ebenfalls gibt. Irgendwann ruft jemand: “Zurückgehen!” Wir sind zwar nicht mehr so viele wie am Anfang, aber langsam setzt sich die Menge wieder in Bewegung.

Dann also zurück. Diesmal auf der anderen Straßenseite. Wieder halten wir Autos und Busse auf, aber die Polizei lässt uns gewähren. Ich kann nur vereinzelte Beamte sehen, die an Kreuzungen stehen oder mal ein Stück neben uns herlaufen. Wir erreichen einen Kreisverkehr und erkennen, dass sich der Großteil der verbliebenen Demonstranten nicht in Richtung Rathaus bewegt, sondern abgebogen ist zur Kieler Förde. Sie wollen zum Landtag, natürlich! Das ist ja das nächste logische Ziel. Ein paar wenige fordern, den Kreisverkehr zu blockieren, aber wir schließen uns dem Zug zum Landtag an.

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Nach einem verkehrsberuhigten Bereich laufen wir einfach auf die Straße. Dass dort gerade Autos kommen, ist egal. Ein Bus versucht an uns vorbeizukommen, hat aber keine Chance. Auf dem letzten Stück zum Landtag werden wir von der Polizei eskortiert. Ein Streifenwagen fährt langsam vorneweg und der Bus muss sich wohl oder übel unserer Geschwindigkeit anpassen. Wir sind zwar nur noch 200-300 Menschen, aber die Sprechchöre halten an.

Schließlich kommen wir beim Landtag an. Die restliche Menge sammelt sich vor dem Haupteingang. Der Landtag ist fast komplett dunkel, aber darum geht es ja nicht. Die lautstarken Forderungen nach “Abschalten!” und “Atomkraft - Nein Danke!” sind trotzdem zu hören. Doch mit einem Mal wird es still. Von der Mitte her breitet sich ein Schweigen aus, dem sich alle unaufgefordert anschließen.

Eine Gedenkminute für die Menschen in Japan.

Dann richtet jemand ein “Danke” an die Menge. Es gibt Applaus. Und die Versammlung löst sich schließlich auf. Es ist 19:50 Uhr. Wir machen uns auf den Weg nach Hause.

-

Ich weiß nicht, wie die Mahnwachen in den 450 anderen Orten in Deutschland verlaufen sind, oder ob die über 110.000 Menschen überall so spontan waren. Aber die Eigendynamik, die die Kieler Mahnwache heute Abend entwickelt hat, war definitiv für mich einzigartig.

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Category: environmental blues

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6 Responses

  1. Gerade wurde im Radio nach der Berichterstattung aus Japan auch von den bundesweiten Mahnwachen gesprochen.
    Für nächsten Montag, den 21.03.2011 um 18 Uhr, gibt es einen erneuten Aufruf zu Mahnwachen für den Atomausstieg.
    Außerdem soll es am 26.03.2011 Großdemos in Berlin, Hamburg, Köln und München geben.
    Und auch für den 09.04. und den 25.04. sind Aktionen in ganz Deutschland geplant, denn am 25.04.2011 jährt sich der GAU von Tschernobyl zum 25. Mal.

  2. 22:55
    Ich werde von Luisa angerufen, die komplett begeistert von einer spontanen Demo erzählt. Sie will einen Post darüber schreiben. Ich stimme ihr zu, das ist eine sehr gute Idee. Wann? Na am Besten jetzt gleich!

    1:32
    Der Post ist veröffentlicht xD

  3. 21.03.2011

    Ich war heute natürlich wieder bei der Mahnwache/Demo in Kiel. Diesmal war es gleich als Demo angemeldet und ging vom Hauptbahnhof zum Rathausplatz, wo sich eine zweite Menschenmenge angesammelt hatte. Es war etwas kleiner (vielleicht 500-600 Menschen auf dem Rathausplatz), kürzer und weniger dynamisch als letzte Woche. Dafür waren diesmal in ganz Deutschland mehr als 140.000 Menschen in über 720 Orten auf der Straße. :D

  4. 26.03.2011

    Bei den großen Demos heute war ich leider nicht dabei. Und da wird daraus mal eben die größte Anti-Atomkraft-Protestbewegung, die es jemals in Deutschland gab…
    Es ist kaum zu fassen. Vor nur zwei Wochen wurde zu diesen Demos aufgerufen, und dann gehen über 250.000 Menschen auf die Straße! Weit mehr als Veranstalter und Polizei erwartet hatten…
    >120.000 in Berlin
    >50.000 in Hamburg
    >40.000 in Köln
    >40.000 in München
    Dazu gab es in Würzburg noch eine Menschenkette um die Innenstadt. Und überall reihten sich Passanten spontan ein. Schon morgens vor Beginn der Demos wurde davon im Radio berichtet. Und die Tagesschau widmete allein diesem Thema fast 3 Minuten.
    Ich kann es immer noch kaum glauben… Aber dafür gibt es ja Bilder. ;)

  5. Auch gestern, am 4. April, gingen wieder über 70.000 Menschen in 500 deutschen Städten auf die Straßen.
    Und die Politik reagiert … endlich…
    Eine hübsche Chronik der Proteste seit dem 12. März 2011 gibt es übrigens hier.

  6. Es ist jetzt zweieinhalb Monate her, dass das Unglück in Fukushima die Problematik der Atomkraft ins Bewusstsein der Massen gerückt hat. Und immer noch gibt es jeden Montag Demos gegen Atomkraft, immer noch mit tausenden Menschen in mehr als 300 Orten.

    Nun soll es am 28. Mai wieder Großdemonstrationen geben. Diesmal in 21 deutschen Städten, die sich über das ganze Bundesgebiet verteilen. Einen Tag später treffen sich die Spitzen von CDU/CSU und FDP, um über die zentralen Eckpunkte ihres neuen Atomausstiegsplans zu beraten.

    Man darf gespannt sein. Denn von den 17 deutschen Reaktoren liefen am letzten Wochenende nur noch vier.

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