Alltag in Krümmel
Sunday, July 05th, 2009 | Author: Luisa Federwisch
Das AKW Krümmel (bei Hamburg) ging am 19. Juni 2009 wieder ans Netz, nachdem es nach einem Trafobrand im Sommer 2007 für zwei Jahre zu Reparaturzwecken und aufgrund immer neuer Fehlermeldungen und Pannen abgeschaltet worden war. “Auf den Brand folgte eine lange Kette von Reparaturen, Überprüfungen und erneuten Reparaturen. Je genauer der Reaktor untersucht wurde, desto mehr Mängel traten zutage.” (Greenpeace)
Es klingt wie ein schlechter Scherz, aber in den zwei Wochen seit es wieder läuft gab es schon drei neue Pannen. Vielleicht hat Greenpeace die Arbeitsweise im AKW Krümmel in dem Video doch realistischer dargestellt, als man meinen würde. Bericht vom NDR:
- 16. Juni 2009: Vattenfall beantragt das Wiederanfahren des seit fast zwei Jahren abgeschalteten Atomkraftwerks Krümmel.
- 19. Juni 2009: Das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium in Kiel erteilt Vattenfall die Genehmigung für das Wiederanfahren des AKW.
- 23. Juni 2009: Eine elektronische Baugruppe zum zeitverzögerten Auslösen einer Reaktorschutzmaßnahme war ausgefallen.
(laut .ausgestrahlt)
- 1. Juli 2009: Im wiederangefahrenen Atomkraftwerk Krümmel kommt es zu einer Panne. Die Turbine der Anlage schaltet sich automatisch ab. Laut Vattenfall hatte ein Mitarbeiter vergessen, ein wichtiges Ventil zu öffnen. [lol Oo] Das AKW wird für einige Stunden vom Netz genommen.
- 4. Juli 2009: Das AKW Krümmel steht wieder still. Das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium teilt mit, dass es zu einer Schnellabschaltung in dem Reaktor gekommen ist. Grund sei offenbar eine Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren.
Laut Aussage von Greenpeace hätte das AKW gar keine Wiederanfahrgenehmigung erhalten dürfen, “[...] denn sie beruht auf der Aussage von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), es gäbe keine erhöhte Gefahr durch Flugzeugabstürze. Ein internes Papier belegt: Tatsächlich warnte das Bundeskriminalamt (BKA) schon 2007 davor.”
Greenpeace: “Wörtlich hatte Wolfgang Schäuble der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht vor Erteilung der Genehmigung mitgeteilt, es gebe ‘nach der aktuellen Lagebewertung des BKA’ keine Anhaltspunkte dafür, dass sich ‘die Gefahr durch Anschläge mittels Luftfahrzeugen gegenüber dem Jahr 2002 erhöht hat’.”
Der Schäuble weiß scheinbar auch nicht, was er will. Die Terrorgefahr ist ja so groß, dass die Bürger unbedingt so genau wie möglich überwacht werden müssen, aber dass ein Anschlag auf ein Atomkraftwerk erfolgt, ist eher unwahrscheinlich. Ist er jetzt paranoid oder nicht? Oder ist das vielleicht ein Hinweis auf Schizophrenie…?
Trotz der Proteste von Atomkraftgegnern und guten Argumenten gegen das Wiederanfahren von Krümmel hatte das Sozialministerium in Kiel vor zwei Wochen noch verkündet, es gäbe keinen Grund zur Sorge, das AKW sei sicher, alles wunderbar. Jetzt meint Ministerin Gitta Trauernicht aber doch, sie sollte die Zuverlässigkeit von Vattenfall vielleicht nochmal überprüfen.
“Wenn in einem hochriskanten AKW einfach unbemerkt irgendwelche Hebel und Schalter umgelegt werden können, dann ist das Grund genug, dem Betreiber die Lizenz zu entziehen und den Reaktor endgültig stillzulegen.”, sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace. Das sehe ich genauso. Offensichtlich ist Vattenfall nicht in der Lage ein Atomkraftwerk verantwortungsbewusst und sicher zu betreiben. Den Konzern so weitermachen zu lassen, wäre in meinen Augen fahrlässig.
Greenpeace: “Die heutige [04.07.] Reaktorschnellabschaltung ist aufgrund bisher nicht erkannter, aber offenbar gravierender Sicherheitsprobleme erfolgt. [...] Die Schnellabschaltung eines Atomreaktors wird immer durch eine Situation ausgelöst, die anderenfalls den GAU - den größten anzunehmenden Unfall - zur Folge haben könnte. Solche Situationen können entstehen bei einem Ausfall der Eigenstromversorgung, dem Ausfall der Kühlmittelpumpen beziehungsweise dem Absenken des Füllstandes im Reaktordruckbehälter.”
Am 05.09.2009 ist große, zentrale Anti-Atom-Demo in Berlin!
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