Can we stop it?
Thursday, May 21st, 2009 | Author: Jan Lachnit

Schluss mit dieser Obamahysterie!
Und um Gottes Willen, bitte keine Obama Plagiate mehr!
Während des Wahlkampfes konnte ich den ganzen Trubel ja noch irgendwie verstehen. Spätestens, als man sich nach der Wiederwahl Bushs rund um die Welt an den Kopf fasste, war internationale Aufmerksamkeit für die nächste Wahl garantiert. (Für Bushs Wiederwahl entschuldigten sich viele Amerikaner übrigens im Internet.) Beim Wahlkampf selbst vergaß man dann jedoch hierzulande fast, dass man kein amerikanischer Bundesstaat ist, während man im Internet vergaß, dass es dort nicht um Politik, sondern um Pornos geht. Zuviel wurde mir dann der Obamahype, als ich das erste “Obama ‘09” auf Aufklebern auf einem Magdeburger Auto fand und Obama Biographien in jedem Buchladen im Schaufenster standen. Deutschland feierte ausgelassen Amerikas neuen Präsidenten, ganz so, als ob sich für uns damit irgendetwas ändern würde.
Nun aber ist die Wahl vorbei. Amerikas neuer Präsident ist schwarz, scheinbar so gut, dass man sich fragt, wann er wohl ermordet wird und hat der Welt gezeigt wie moderner Wahlkampf aussehen kann. Ja, sein Wahlkampf setzte neue Maßstäbe. Statt sich aber ein Beispiel daran zu nehmen, begann man hier lieber völlig ohne Sinn und Verstand zu kopieren. “Yes we can!”, tönte es von allen Seiten. In allen möglichen Abwandlungen, doch meist eins-zu-eins, schreibt man es sich auf die eigene Fahne. Hat die böse Finanzkrise denn alle Werbetexter arbeitslos gemacht? Wenn nicht, wird es langsam Zeit.
Vor allem überall dort, wo es um Politik geht, findet Obamas Slogan momentan Verwendung. An meiner Uni wirbt eine Partei des Studierendenrats mit “Yes we can” und dem Zusatz “noch besser”, um keinen Zweifel an ihrer Ideenlosigkeit zu lassen. Bei der CDU traute sich ein Lokalpolitiker sogar so weit, sich selbst als “Joebama” in den Wahlkampf zum Gemeinderat zu stürzen. Doch das war von so fantasielosen Zeitgenossen wohl zu erwarten.
Wirklich enttäuscht hat mich allerdings Greenpeace. Auf der aktuellen Protest-Postkarte, die meiner Fördermitglieds-Zeitung beigelegt wurde, findet sich eine Schwarz-Rot-Gelbe Vektorisierung Angela Merkels, die sicher nicht nur zufällig an Obamas Wahlplakat erinnert. Darunter findet sich der Spruch “Angie you can!”. Schon allein wegen der höllisch anmutenden Farben wirkt die Postkarte weder positiv noch motivierend. Doch zusammen mit diesem unglaublich einfallslosen Spruch fällt es mir schwer meine Unterschrift darunter zu setzen und sie zu verschicken, obwohl ich Greenpeaces Klimaschutz-Kampangne für äußerst wichtig und unterstützenswert halte. Nur unterstütze ich damit dann auch Ideenklau? Wird Angela Merkel sich wirklich nach Erhalt zahlloser solcher Postkarten auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen noch stärker für den Klimaschutz einsetzen? Oder wird sie sich einfach nur schämen, wenn sie dort auf Obama trifft, dem die Plakate der Greenpeacer sicher auch nicht entgehen werden?
Wir werden es sehen. Ich, für meinen Teil, werde allein wegen der letzten Möglichkeit die Postkarte abschicken und damit einen Hilferuf an die Welt entsenden: Bitte, Welt, lasst uns damit aufhören!
Category: random jazz | 5 Comments
