Bahnfahren macht Spaß!
Monday, December 03rd, 2007 | Author: Jan Lachnit

Mehr Service. Mehr Genuss. Ich weiß nicht, was der Herr auf dem Bild für einen Service bestellt hat, aber bei so einem Grinsen muss es etwas sein, dass man mir bis jetzt vorenthalten hat in der Bahn. Seit dem Beginn meines Studiums fahre ich regelmäßig Bahn. 8 Stunden dauert es von meinem Studienplatz in Magdeburg zurück in die Heimat am Bodensee, wenn alles gut geht. Aber wenn man erstmal ein paar Erfahrungen mit der Bahn gemacht hat, dann weiß man, dass es eigentlich nie reibungslos abläuft. Luisa hat da meistens mehr Pech als ich und schafft es auch schon mal, dass ihr Zug eine ganze Stunde mitten auf der Strecke stehen bleibt, weil eine Weiche falsch gestellt worden ist.
Doch Bahnfahren kann auch Spaß machen! So sprangen mir beispielsweise einst folgende Werbezeilen von den Bildschirmen der Regionalbahn ins Auge:
Glas Blas Sing Quintett - Liedgut auf Leergut
Wer erleben möchte was derzeit “state of the art” im Gebiet der angewandten Flaschenmusik ist, darf die nächstgelegene Aufführung von “Liedgut auf Leergut” nicht verpassen.
Ja, man muss nur aufmerksam sein und wissen, wie man sich selbst unterhält. Meine persönliche Lieblingsbeschäftigung ist es beim Bahnfahren, anderen Leuten zu zuhören. Keine Reality- oder Talkshow kann einem den blanken Wahnsinn des täglichen Lebens besser vor Augen führen als das aufgeregte Gespräch einer jungen Frau mit einem Freund ihres Mannes über den Grund, warum dieser nach dem Sport immer komplett durchnässt ist und wie übel es riecht, wenn er vergisst seine Sachen gleich auszupacken.
Letztens jedoch durfte ich einer Unterhaltung beiwohnen, die selbst Loriot nicht besser hätte schreiben können. Sie war so gut, dass ich sie mitgeschrieben habe um sie mit euch teilen zu können, meine verehrten Leserinnen und Leser.
Es war ein Gespräch zwischen einem jungen Herrn von circa 30 Jahren und einer älteren Dame, die ich auf gute 70 schätzen würde. Hier mein Mitschrieb von dem Geschehenen:
Er: Hach, hab ich wieder einen Hunger! Ich packe gleich mein Vesper aus.
(Ja, das hat er so gesagt!)
Sie: Aha.
Er: Ich hatte heut ja drei mal Frühstück!
(Lacht einmal ein lautes Hah! Und haut sich auf den Schenkel.)
Sie: Achwas.
Er: Das erste mal um 5 Uhr, dann nochmal um 7 Uhr und einmal dann noch um 10!
(Stille)
(Er beginnt zu lachen.)
Er: War sogar so hungrig, dass ich mein Vesper schon angebissen hab. War kein Brot mehr da.
Sie: Das kommt vor.
Er (lachend): Ja, das kommt vor.
Sie: Dabei haben Sie doch einen grad um die Ecke…
Er: Ja.
Sie: Aber ich hab Ihnen ja was eingepackt.
Er: Ja, das war sehr nett.
Sie: Gell, ich hab halt immer gute Ideen, gell?
Er: Ohja!
Sie: So wie letztens. Da hab ich ja… letztens da hatte ich so ein Gefühl gehabt, da… , letztens, dann -
Er: OHHH! KÜHE!
(Setzt sich aufrecht und schlägt sich auf den Schenkel.)
Er: Kühe! Hach, sehn’ Sie! Kühe im Süden Badens! Kühe sehe ich ja seeehr gerne.
Sie: Ohja, Kühe auf einer Weide.
Er: Ja.
Sie: Oder Pferde, sehe ich ja auch gern.
Er: Ohja Pferde! Aber wenn ich bei mir zu Hause Kühe sehe, dann bin ich ja hin und weg.
(Klopft sich auf den Schenkel.)
Sie: Aber es gibt viele Kühe hier.
Er: Ja.
Sie: Da bei Allensbach…
Er: Ich glaube Ihnen.
Sie: …oder…
(Er legt ihr beschwichtigend die Hand auf den Schenkel.)
Er: Ach! Schon wieder Kühe!
(Blickt aus dem Fenster.)
Sie: Aber viele!
Er: Und sehen Sie! Kälbchen!
Sie: Achhhhh!
(Lehnt sich vor.)
Er: Hach!
Sie: Wenn ich wiederkomme, muss ich wieder zum Mäxle, hab nämlich -
Er: Was halten Sie denn betreffend der neuen… Daten der … ehh… Tour de France?
Sie: Ach, das hab ich mir gar nicht angesehen.
(Eine Durchsage lässt beide verstummen.)
Leider unterhielten sich die beiden danach nicht mehr weiter, sondern tauschten nur noch hin und wieder mal kurz ein paar Worte aus. Trotzdem war ich für den Rest der Fahrt bester Laune und selbst jetzt, wenn ich mit der Bahn an ein paar Kühen vorbeifahre, erheitert mich die Erinnerung an dieses skurrile Paar.
An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Leserschaft herzlichst entschuldigen. Nicht nur der Verspätung dieses Eintrags wegen, sondern auch, weil ich dieses Spektakel des verquerten Humors nur auf diese dürftige Weise erhalten konnte. Ein Video oder zumindest ein Tonbandmitschnitt hätte die Atmosphäre und den hintergründigen Witz des Ganzen weit besser einfangen können. Aber leider sind meine Mittel begrenzt und ich bin doch froh, dass ich zumindest ein Blatt Papier und Schreibgerät parat hatte. Trotz allem hoffe ich, dass ich Ihnen eine kleine Freude zur Weihnachtszeit bereiten konnte und, dass Sie mir auch weiterhin treu bleiben mögen. Ich werde mein Bestes tun, um keine weiteren Verzögerungen zulassen zu müssen, schließlich sind wir ja hier nicht bei der Bahn.
Category: random jazz | 7 Comments
